Archive for März, 2010
Mit meinem Seminar „Die besten Mitarbeiter finden und halten” sind wir gerade sehr viel in Hotels unterwegs. Dieser Tage nun waren wir in einem Großstadthotel. Endlich an der Rezeption angekommen, sagt die Dame forsch und knapp: „Einchecken?” „Nein”, sage ich, „wir sind von der Firma tempus und machen hier ein Seminar.”Sie jetzt schon etwas unwirsch: „Einchecken?” „Nein, wir sind von der Firma tempus …”
Darauf geht sie wortlos zu ihrem männlichen Kollegen. Der schreibt etwas auf einen Zettel, gibt uns einen Schlüssel, und jetzt geht es auf die Suche nach dem Seminarraum.
Endlich im Seminarraum angekommen ist dort ein türkischer Mitarbeiter, Herr Ö. Er hat ein strahlendes, breites Lächeln und sagt: „Guten Morgen, ich hoffe, Sie hatten eine gute Fahrt.” Dann fragt er überaus freundlich, wer einen Cappuccino will und wer einen Kaffee. Danach hilft er, den Raum herzurichten usw.
Während des Tages hat er sich immer wieder erkundigt, ob irgendetwas fehlt. Unseren Seminarteilnehmern ist dieses freundliche Verhalten aufgefallen, genau so wie ihnen aufgefallen ist, wie barsch man am Empfang abgefertigt wird.
Einer der Teilnehmer sagt: „Wenn Sie bei mir arbeiten würden, ich würde Sie befördern.”
Ein anderer Teilnehmer fragt unseren netten türkischen Serviceangestellten, warum er diese positive Haltung hat. Darauf er strahlend: „Na ja, es gibt immer 3 Sorten von Menschen: Welche, die das fürs Geld machen und welche, die einfach ihre Zeit totschlagen. Ich mache das, weil es mir Spaß macht. Dabei legt er seine rechte Hand auf sein Herz, macht eine leichte Verbeugung und hat wieder sein breites, gewinnendes Lächeln. Jetzt brauchen Sie sich nicht mehr zu fragen, ob A, B oder C …
Nur 40 % aller Arbeitnehmer sind mit ihrer Work-Life-Balance zufrieden, so das Ergebnis der aktuellen Studie des John J. Heldrich Center für Mitarbeiterentwicklung. 1999, also vor gut 10 Jahren waren dies immerhin noch 51 %. Wesentlichen Anteil an dieser Verschiebung hat das Internet. Die Informationen prasseln 24 Stunden 7 Tage die Woche auf uns nieder und stellen Mitarbeiter immer mehr vor neue Herausforderungen. Viele haben mittlerweile auf eine 7-Tage-Woche umgestellt.In der Bibel steht im 3. Buch von Mose im Kapitel 23, Vers 3 „Ihr sollt sechs Tage pro Woche arbeiten, der siebte Tag aber ist der Sabbat, ein Tag vollkommener Ruhe, an dem ihr zum Gottesdienst zusammenkommen sollt. An diesem Tag sollt ihr nicht arbeiten. Wo auch immer ihr lebt, sollt ihr diesen Ruhetag für den Herrn einhalten.”
Studien zeigen, dass in 6+1 Tagen deutlich mehr geleistet wird als in 7 Tagen Arbeit. Offensichtlich gibt es göttliche Gesetze, die gerade in einer vom Internet geprägten Welt funktionieren.
Und hier ist schon der erste Kommentar eines Journalisten. Dem ist nichts hinzuzufügen. Mehr Infos zum Buch finden Sie auf der Website www.die-personalfalle.de.
Die Personalfalle – Schwaches Personalmanagement ruiniert Unternehmen
Die Personalfalle, von Jörg Knoblauch, Auflage 2010, Campus Verlag (Frankfurt),
ISBN 978-3-593-39089-5, 29,90 Euro, 222 Seiten.
Nach seinen bisher erschienenen zwölf sachlichen Ratgeber-Büchern lässt es Personalguru Jörg Knoblauch diesmal richtig krachen. Schonungslos zeigt er auf, was passiert, wenn Personalabteilungen ausschließlich sich selbst verwalten und Chefs kopflos im Kampf um Talente agieren. Weil er seit 30 Jahren als Unternehmer aktiv ist und in ganz Deutschland beratend tätig, kann Knoblauch in „Die Personalfalle” skurrile und spannende Geschichten erzählen: Etwa vom Mythos der Mitarbeiterbindung oder warum auch Putzfrauen und Hausmeister Topleute sein sollten.
Knoblauch klärt brisante gesellschaftliche Fragen wie z. B. Warum kehren jährlich 170.000 hoch qualifizierte junge Menschen Deutschland den Rücken zu und warum wandern 100.000 Harz IV-Empfänger in der gleichen Zeit ein? Warum Bagatellkündigungen aktuell so hoch im Kurs stehen (und es dabei gar nicht um die Bagatelle geht)? Wieso Halteprämien Sinn machen, selbst wenn am gleichen Tag blaue Briefe verteilt werden. Zudem liefert der Giengener Berater handfeste Tipps zur Personalauswahl. Sein mehrstufiger Einstellungsprozess ist clever und einfach zu handhaben. Statt aufwendiger Assessmentcenter rät er zu pragmatischen Werkzeugen: Telefonate konsequent mit allen früheren Chefs der Bewerber („da erfahren Sie die ganze unverblümte Wahrheit”). Oder er zeigt, wie man Talente über persönliche Netzwerke gewinnt.
Spannend auch seine These, dass kleine Firmen ihre künftigen Talente anlocken müssen: Sie sollen bewusst einen Akzent gegen die Porsches und Boschs setzen, um die richtigen Mitarbeiter anzusprechen. „Leuchten Sie wie ein Schätzkästchen im Dunkeln.” Hilfreich sind dabei die zahlreichen hinweise auf die Webseite www.die-personalfalle.de. Hier finden sich Checklisten, weiterführende Zeitungsartikel und Musterpräsentationen, etwa für Schulklassen, um für Ausbildungsplätze im Unternehmen zu werben. Am Ende entsteht eine durch exzellente Mitarbeiter geprägte Organisation, die sich um ihre Zukunft keine Gedanken zu machen braucht. Denn das ist der Leitgedanke des Autors, der sich konsequent durch die 222 Seiten zieht: Suche frühzeitig die besten Talente. Kümmere dich um sie. Und trenne dich von Menschen, die dem Unternehmen durch Faulheit und Trägheit schaden. An diesem Punkt setzt Knoblauch in seinem wohl klarsten Buch den Hebel an – und zwar mit einer Wucht, wie das kein deutschsprachiger Autor vor ihm getan hat.
Diejenigen, die mich kennen wissen, dass ich vor einigen Monaten 60 Jahre alt wurde. So kommt es, dass viele meiner Weggefährten auch 60 werden und mich zum Geburtstag einladen.Manche dieser Geburtstagsfeiern wirken auf mich eher wie eine Rentnerfeier. Die Anwesenden denken langsam, reden langsam und bewegen sich langsam. Zuweilen komme ich mir dann fremd vor. Bereits um 22:00 Uhr gehen die ersten nach Hause mit Entschuldigungen wie „Ich muss noch 10 km fahren.” Oder „Morgen besuche ich meine Enkelkinder.”
Gestern in meinem Büro hat mich eine Mitarbeiterin überrascht. Wir hatten einige ältere Bilder vor uns und sie sagte ganz unvermittelt: „Herr Knoblauch, Sie sehen heute deutlich jünger aus als vor 10 Jahren.” In der Tat und so fühle ich mich auch.
Wie kommt so etwas? Ja, ich gehe 3-4 Mal die Woche eine Stunde ins Fitness-Center um die Ecke. Der Sonntag ist für mich als Ruhetag wichtig und vor allem auch die Gemeinde, um emotional aufzutanken. Zeiten mit Gott allein, aber auch so wie heute Morgen, wo wir in der Firma gebetet haben.
Soeben halte ich wieder eine Einladung zu einer 60. Geburtstagsfeier in den Händen. Darauf steht: „Ich hoffe, dass ich mit ausreichender Schaffenskraft …” Nein, würde ich widersprechen: Mit 60 stehst du auf dem Höhepunkt deiner Schaffenskraft.
Wie lange es dauert, einen guten Ruf aufzubauen und wie schnell dieser ruiniert ist, kann man in diesen Tagen am Beispiel Toyota sehen. Für viele Jahre war Toyota für uns das Vorbild schlechthin. Wir haben die Toyota-Bücher gelesen, weil dort Management vom Feinsten drin stand. Die Wirtschaftswoche sprach über Toyota sogar als „eine Klasse für sich, Lichtjahre von dem entfernt, was in Deutschland sonst so üblich ist”.Die Rückrufaktionen wegen klemmender Bremspedale sind in aller Munde. Weitere Rückrufaktionen stehen bevor. Offensichtlich sind die Journalisten der Ansicht, dass sich Toyota damit zu viel Zeit gelassen hat.
Selbst die Bibel sagt: „Ein guter Ruf ist mehr wert als ein gutes Parfum.” (Prediger 7,1)Und an anderer Stelle heißt es: „Gib dem guten Ruf den Vorzug vor Reichtum, denn die Anerkennung der Menschen ist besser als Silber oder Gold.” (Sprüche 22,1)
Jetzt ist der Super-Gau eingetreten: Autobesitzer beklagen die gefallenen Preise ihrer Fahrzeuge. Die Händler beklagen den Absatzeinbruch und Investoren den Kurssturz. Der Gesamtschaden lässt sich kaum beziffern. Wie lange es braucht, um den doch sehr ramponierten Ruf wieder herzustellen, bleibt abzuwarten.