Archive for Mai, 2010
Vor einigen Tagen war ich in Salzburg. Die „Salzburger Nachrichten” hatten eingeladen, und die Diskussion ging am Ende meines Vortrags um die ethische Vertretbarkeit. Eine Dame, die Unternehmerin war und sich als studierte Theologin vorstellte, schoss besonders scharf. Es ginge darum, sich um die Ärmsten und um die Schwachen zu kümmern, das sei uns aufgetragen …Da kommt eine Kundenrezension zu meinem Buch bei amazon doch wie gerufen: „Schade, schade, schade … dass Knoblauch dieses Buch erst 2010 veröffentlicht hat. Aber eigentlich beschreibt Knoblauch da ja nichts Neues. Schon vor gut 3.000 Jahren hat der König Salomo in seiner Sprüchesammlung geschrieben: Lass niemals einen Faulpelz für dich arbeiten, denn er wird dir schaden wie Zucker deinen Zähnen und Rauch deinen Augen! (Sprüche Salomos 10, 26)
Herzlichen Dank an Uwe Paschmann, der das geschrieben hat. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Heute schreibt mir ein Leser des Buches „Die Personalfalle”:„Herr Knoblauch, Sie schreiben, dass es sinnvoll wäre, sich beim alten Arbeitgeber über einen Bewerber zu erkundigen. Dazu ein Fallbeispiel: Angenommen, Ihre Frau würde (trotz bisher toller Beziehung) fremd gehen. Daraufhin wird die Beziehung beendet. Ein neuer Liebhaber würde bei Ihnen anrufen und fragen, wie denn die Beziehung mit ihr war. Ob Sie ihm empfehlen könnten, mit ihr in die Kiste zu steigen. Wie wäre Ihre Reaktion? Würden Sie ihm erzählen, wie schön die Beziehung war? Ich könnte mir vorstellen, Sie hätten diese Größe, doch sicherlich sind Sie damit in der Minderzahl. Ich bitte Sie, die Metapher nicht persönlich zu nehmen. Ich möchte meine Bedenken äußern, dass ich als Personaler in dieser Situation ein ehrliches Feedback erhalte.”
Na ja, ich habe geantwortet, dass man das eigentlich nur schlecht miteinander vergleichen kann. Schließlich ist der Vertrag mit meiner Frau der einzige lebenslange Vertrag, den ich geschlossen habe. Ein Arbeitsvertrag ist immer zeitlich befristet und schon deshalb deutlich weniger emotional besetzt.
Trotzdem: Ich habe mich immer gewundert, warum nur jeder 5. bis 10. Arbeitgeber bei mir anruft. Ich würde ihm in der Regel liebend gerne die Wahrheit zu seinem Bewerber sagen. Schließlich brauche ich umgekehrt auch mal wieder seine Hilfe.
Und noch etwas: Beim 9-stufigen Einstellungsprozess ist es so, dass es nach dem Einholen der Referenzen noch ein zweites Interview mit dem Bewerber gibt. Da geht es um Werte und Charakter und natürlich auch um Ungereimtheiten, die sich beim Einholen von Referenzen möglicherweise ergeben haben.
Ich kann nicht verbergen: Ja, ich bin ein großer Fan, was das Einholen von Referenzen anbetrifft, und zwar von allen Arbeitgebern, für die der Bewerber jemals gearbeitet hat.
Mein Freund, Johannes Czwalina, kommt im September 2010 mit einem neuen Buch. Der Titel: Vom Glück zu arbeiten. Darin zeigt er, wie sich die Arbeit im Laufe der Geschichte verändert hat und wohin sich die Arbeitswelt in der Zukunft entwickeln wird.Johannes Czwalina schreibt: „Unsere Arbeitswelt bietet ein bizarres Bild: Während die einen vor Überarbeitung fast zusammenbrechen und aus Angst, den Job zu verlieren, am liebsten gar nicht mehr ihr Büro verlassen wollen, finden die anderen keine Arbeit mehr, mit der sie finanziell über die Runden kommen. Und die Zahl derer, die auf dem Arbeitsmarkt gar keine Chancen mehr haben, wächst täglich.”
Wie wahr! Auch so kann man ABC darstellen. Die Spreizung ist dramatisch. Ja, die wenigen A-Mitarbeiter sind gefragt. Ich hoffe, Sie bekommen dieses Buch in die Finger, denn natürlich gibt es Wege, im beruflichen wie im privaten Alltag sein Leben bewusst zu gestalten und seine Werte und Prinzipien konsequent zu leben.
Vergangenen Donnerstag ging es in meinem Blogbeitrag um die Korruption in Griechenland. Am Freitag schickt mir ein guter Freund den berühmten Brief des Stern-Autor Walter Wüllenweber. Wenn Sie den „Liebe Griechen”-Brief nicht kennen, können Sie hier die fünf hoch interessanten Seiten nachlesen.
Dieser Brief wurde über das Internet weit verbreitet und natürlich auch ins Griechische übersetzt. Was jetzt passiert, ist überraschend: Eine Vielzahl von Menschen, rund um den Globus melden sich zu Wort.
„Show some understanding, Auntie”, bittet ein Grieche. Wüllenweber hatte Deutschland als eine Tante dargestellt, die einem die ganze Kindheit und Jugend hindurch das Sparschwein füttert. Die Geldtante erwartet ja keinen Dank, sie will ja nur, dass man sich auch mal in ihre Lage versetzt. So der Brief.
Griechen rund um die Welt, die diesen „Liebe Griechen”-Brief gelesen haben, sind erzürnt. Deutschland sei seinen Reparationszahlungen im Nazi-Deutschland nicht nachgekommen usw. Schließlich habe Griechenland keine Autoindustrie und keine Rüstungsindustrie. Das alles kaufe man von Deutschland und das sei doch mehr Wert als alle EU-Zuschüsse. Wegen der fehlenden Industrie hätten viele Griechen halt nur einen Beamtenjob.
Ein in den USA lebender Grieche sagt: Wir Amerikaner beschützen euch Deutsche seit 60 Jahren. Das hat euch Milliarden in eurem Verteidigungshaushalt gespart, deswegen könnt ihr euch 12 Wochen Urlaub im Jahr leisten und euer Schul- und Gesundheitssystem kostet euch nichts. Und so geht es Land für Land. Die Finnen sagen: Das größte Problem in Griechenland ist nicht das Geld, sondern Täuschen, Tarnen, Tricksen. Die Financial Times dagegen ist einsichtig. Sie hat das Wort PIIGS (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien) aus ihrem Vokabular gestrichen …
Wenn Griechenland pleite geht, müssten wir die Hälfte der Schulden abschreiben. Das sind immerhin ca. 300 Mrd. Euro, davon 43 Mrd. aus Deutschland. Lebensversicherungen und Renten wären dann in Deutschland hart getroffen.
Die Griechenland-Story wird uns also noch einige Zeit in Atem halten. Hoffen wir das Beste!
Das größte Missverständnis, dem wir begegnen, ist, dass Chefs und Personalverantwortliche meinen: A-Mitarbeiter sind immer die, die vorneweg marschieren. A-Mitarbeiter sind die Führungskräfte, die Alpha-Tiere, denen sich B- und C-Mitarbeiter unterordnen. Nichts könnte verkehrter sein. ABC gibt es auf jeder Ebene.Dieser Tage schreibt mir der Chef einer Spedition: „In unserem Metier wird gerade von Personen mit relativ geringem Bildungsniveau ein besonders hohes Maß an Selbstständigkeit verlangt. Der Fahrer ist sehr oft weit, weit weg von seinem Vorgesetzten. Trotzdem muss er vor Ort ständig Entscheidungen treffen, die von hoher wirtschaftlicher Relevanz sind.”
Bleibt hinzuzufügen, dass dies nicht nur im Speditionsgewerbe so ist. Überall ist unsere Personalpolitik zum Gradmesser unternehmerischen Erfolgs geworden. Wir alle haben schon im Fernsehen gesehen, wie die Polizei LKWs aus dem Verkehr zieht. Plötzlich steht der Fahrer „auf der Bühne”. Er ist die wichtigste Person dieser Spedition. An seiner Reaktion entscheidet sich sehr vieles. Und nächstes Mal ist es die Putzfrau und sehr oft auch der Portier. Also, die Herausforderung ist klar, A-Mitarbeiter gehören auf jede Ebene und müssen gefunden werden.
Unsere CDU-Europaabgeordnete schreibt heute in unserer lokalen Zeitung, dass Griechenland seit 1997 insgesamt 955 Millionen Euro Strafzahlungen an die EU leisten musste. Sie war letzte Woche in Athen. Ein wichtiges Wort ist Fakelaki. Fakelaki heißt „kleine Umschläge”. Da liegt das Geld drin, wenn man etwas beschleunigen will. Laut Transparency International zahlte jeder Grieche im Jahr durchschnittlich 1355 Euro Bestechungsgeld, wenn es darum ging, die Ausstellung eines Führer -/Fahrzeugscheins zu beschleunigen, eine Baugenehmigung zu kaufen oder die Ergebnisse einer Steuerprüfung manipulieren zu wollen. Durch Korruption und Bestechung sind Operationen in öffentlichen Krankenhäusern bis zu 5-mal so teuer wie in Deutschland und somit für viele Griechen nicht mehr bezahlbar. Bestechungsgeld wird gewöhnlich in einem Briefumschlag (Fakelaki) unter dem Tisch übergeben.
Die Bibel sagt im Psalm 14,3 „Alle haben sich von meinen Geboten abgewandt und wurden korrupt. Niemand tut Gutes, auch nicht einer.”
Letzte Woche hatte ich die Chance, mit Top-Personalern, so zum Beispiel dem Personalchef von Airbus Industries, auf einem Forum der Hannover Messe zu diskutieren.Sehr schnell kam die Diskussion auf das Thema „Schulnoten”. Einer sagte: „Schulnoten sind sekundär.” Ein anderer sagte, sie sind tertiär und ein dritter sagte, sie sind völlig unnötig.
Wir waren uns alle einig: Es ist das Glänzen in den Augen eines Menschen, auf das es ankommt. Hat dieser junge Mensch irgendwo Verantwortung übernommen? Hat er bewiesen, dass jemand auf sein Kommando hört, dann ist dies ein wichtiges Einstellungskriterium.
Wie sagte kürzlich ein Besucher in meinem Büro: „Noch 10 bis 20 Jahre mit dieser Bildungspolitik, die wir heute haben, dann werden wir froh sein, wenn wir T-Shirts für die Chinesen produzieren dürfen.”