Das Geheimnis ist gelüftet. Vor wenigen Tagen wurde die Studie der Antidiskriminierungsstelle (Frankfurt/Oder) von der Arbeitsministerin vorgestellt.
Das Ergebnis:
1. Ja, es gibt Diskriminierung in der Personalauswahl von Unternehmen und ein solches Gesetz könnte helfen, diese zu reduzieren.
2. Die Studie ist nicht repräsentativ, weil zu wenige Unternehmen teilgenommen haben. Deswegen wird eine Empfehlung ausgesprochen, aber es wird kein Gesetz geben.
Der bayerische Rundfunk hat zu diesem Thema diskutiert. Hören Sie, was ich dazu gesagt habe. Klicken Sie hier
Jetzt sind A-Mitarbeiter noch schwerer zu erkennen! Anonyme Bewerbungen verzichten auf die Angabe von Name, Alter, Herkunft, Geschlecht, Familienstand und Foto, um so eine Diskriminierung in der Kandidatenauswahl zu vermeiden.
Das Experiment „Anonyme Bewerbung“ ist ein einjähriger Feldversuch im Auftrag der Bundesregierung. Die Firmen Telekom, L’Oreal, Procter & Gamble, Deutsche Post und My Days testen derzeit, wie sie Bewerbungen fairer gestalten können. Ziel ist es, mehr Menschen einen Arbeitsplatz zu verschaffen. Die Meinungen zu anonymen Bewerbungen gehen weit auseinander. Unter anderem wird darauf hingewiesen, dass in Zeiten sozialer Netzwerke das Thema anonyme Bewerbung ohnehin nicht umsetzbar ist.
Meine Meinung: A-Unternehmer suchen A-Mitarbeiter. A-Unternehmer versuchen, die besten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzustellen unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht etc. Spätestens dann, wenn es zu den ersten persönlichen Kontakten kommt, sind frühere anonyme Bewerbungen gegenstandslos. Damit führen anonyme Bewerbungen letztendlich zu einer Erschwerung von A-Unternehmern bei dem Versuch, A-Mitarbeiter zu finden und einzustellen. Andere Arbeitgeber werden auch durch anonyme Bewerbungen nicht daran gehindert, unter Umständen benachteiligende Einstellungen vorzunehmen. Der Aufwand im Einstellungsprozess ist bislang schon enorm. Durch anonyme Bewerbungen wird er noch weiter erhöht.
Was denken Sie?
Anonyme Bewerbungen – ein Top-aktuelles Thema! Darüber wird heiß diskutiert und eine Gesetzesvorlage dazu ist sehr umstritten. Was denken andere Unternehmer?
Patrick Adenauer, Präsident des Verbandes DIE FAMILIENUNTERNEHMER: „Anonyme Bewerbungen öffnen der Manipulation von Bewerbungsunterlagen Tür und Tor: Wenn man Geschlecht, Alter oder Herkunft entfernt, muss man auch Zeugnisse schwärzen, Lebensläufe kürzen und auch persönliche Interessen streichen. Individualität und Kreativität würden so durch standardisierte Formblätter ersetzt. Wir Unternehmer suchen aber Persönlichkeiten und keine Maschinen.“
Achim Dercks, DIHK-Vize: „Bereits die schriftliche Bewerbung muss zentrale Informationen enthalten, denn die Unternehmen können nicht alle Bewerber zum Gespräch einladen.“
Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die das freiwillige Projekt angestoßen hat: „Studien und Beratungsfälle belegen, dass bei Migranten, Müttern und über 50-jährigen Bewerbern eher aussortiert wird. Das wollen wir verhindern.”
Nach der Meinung von Familienministerin Kristina Schröder, soll die anonyme Bewerbung in ganz Deutschland angewandt werden. Im Familienministerium wird diese Bewerbungsmethode zurzeit erprobt. Der Bewerbung kann nicht mehr entnommen werden, welches Geschlecht und Alter der Bewerber hat. Auch der Familienstand, die Religion, die Nationalität, das Aussehen und mögliche Behinderungen bleiben verborgen. Erst beim Vorstellungsgespräch kommt dann die ganze Wahrheit auf den Tisch.
Verbreitung der anonymen Bewerbung
Die Amerikaner nutzen diese Methode seit den 60er-Jahren. In Frankreich testen es 50 Unternehmen. In Deutschland erproben diese Form der Bewerbung neben dem Familienministerium die Firmen Telekom, L’Oréal und Procter & Gamble.
Auswirkungen für Sie als Unternehmen
Bislang hat dies für Ihr Recruiting noch keine Auswirkungen. Im Laufe 2011 kann es jedoch sein, dass Sie mit einer Gesetzesvorlage rechnen müssen, wenn die Tests im Familienministerium erfolgreich sind.
Wie schätzen Sie die Situation ein?