Seit die „Personalfalle” als Finalist beim „Trainerbuch des Jahres” und auf der Frankfurter Buchmesse als eines der Top 5 Wirtschaftsbücher geehrt wurde, geht die Auseinandersetzung im Internet hoch her. Ein Leser zum Beispiel schreibt: „Jack Welch war ein Gentleman: Bei ihm gab es A-, B- und C-Mitarbeiter, und die B’s waren fähige und akzeptable Mitarbeiter, die für einen Betrieb eine große Wichtigkeit haben. Knoblauch dagegen will die B’s feuern, und wenn man ihn nur gewähren ließe, dann wäre er letztlich für 8 Mio. Arbeitslose verantwortlich. Andere Leser melden sich jetzt zu Wort, die das Ganze gleich volkswirtschaftlich deuten und auch mit Zahlen begründen, warum diesem Land die letzte Stunde geschlagen hat.
Wenn ich so etwas lese, bin ich hin und hergerissen. Natürlich lese ich, was unser Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagt: Der deutsche Arbeitsmarkt sei bereits „auf der Schnellstraße zur Vollbeschäftigung”. Ich lese aber auch, dass der von mir sehr geschätzte Chef der Bundesagentur für Arbeit, Weise, kommentiert: „Auf dieser Schnellstraße sollte Herr Brüderle vorsichtig fahren.” Dann spricht er von den zahlreichen Risiken. Wobei das höchste Risiko nicht die hohe Verschuldung der EU-Staaten ist, sondern das höchste Risiko ist natürlich, dass in einer zunehmend serviceorientierten Gesellschaft der Druck zunimmt. Ein B-Mitarbeiter als Briefträger darf ruhig ein bisschen langsamer sein. Ein B-Mitarbeiter als Gabelstaplerfahrer darf schon auch mal Dienst nach Vorschrift machen und auch einer Putzfrau mag man manches nachsehen. Ein Land jedoch, das sich durch Innovation, Serviceorientierung und Schnelligkeit behaupten muss, sucht gezielt A-Mitarbeiter, und der Kampf um diese Menschen ist voll entbrannt.
Sie alle kennen das Zitat von Jack Welch, dem langjährigen CEO von General Electric: „Selbst wenn der C-Mitarbeiter umsonst arbeiten würde, er wäre zu teuer.”
Je länger ich als Personaler unterwegs bin, desto mehr leuchtet mir diese Aussage ein. Allerdings: Manche Blogleser treibt es zur Weißglut: „Die Aussage von Jack Welch ist meines Erachtens an Arroganz, Weltfremdheit und Menschenfeindlichkeit nicht zu übertreffen …” An anderer Stelle schreibt er dann: „Sie haben jede Bodenhaftung verloren.”
Ein anderer Leser pflichtet ihm bei und schreibt seine Beobachtungen:
„Wenn der A-Mitarbeiter den Karren in den Dreck gefahren hat, zieht ihn der B-Mitarbeiter wieder heraus. Und der C-Mitarbeiter kümmert sich um den ausgebrannten Manager.”
Der Blogleser schreibt dann weiter: „So verschieden sind die Gaben einzelner Menschen. Wohl der Firma, die ein paar von jeder Sorte hat!!!”
Mal ehrlich: Ich zumindest habe es noch nie erlebt, dass ein C-Mitarbeiter sich um einen ausgebrannten Manager kümmert. C-Mitarbeiter sind viel zu sehr mit sich selbst und ihrem
eigenen Wohlergehen beschäftigt.
Aber: Nächste Woche werde ich in meinem Blog zeigen, wie der schlechteste Hauptschüler Berlins einen hervorragenden Abschluss als Kfz-Geselle erreicht. Natürlich gibt es auch solche Beispiele. Der Volksmund sagt: Wo ein Wille, da ein Weg. Und ein Hauptschüler, sogar der schlechteste Hauptschüler, wenn er nur will, ist dann kein C-Mitarbeiter.
Jack Welch hatte damals bei General Electric (GE) das Motto ausgegeben: 20-70-10. Soll heißen: Jedes Jahr muss jeder Bereichsleiter benennen wer seine 20 % A-, 70 % B- und 10 % C-Mitarbeiter sind.Einer meiner Blogleser, ein langjähriger Praktiker, bemerkt nun zurecht, dass eine solche Quote äußert problematisch ist. Man muss jetzt „B-Mitarbeiter um der Quote willen auf C setzen”. Der Leser schreibt dann weiter: „Ich halte diese Quote bzw. Klassifizierung für schwierig und nicht zu 100 % anwendbar.”
Diese Kritik ist meines Erachtens mehr als berechtigt. Wenn es z. B. keine C-Mitarbeiter (mehr) gibt, dann macht es auch keinen Sinn C-Mitarbeiter zu benennen. In unserer Firma gehen wir einen anderen Weg: Wir geben keine Quote vor, sondern versuchen die Wirklichkeit über einen Mitarbeiterbeurteilungsbogen abzubilden. (www.abc-strategie.de/formulare) Ganz konkret: Jetzt im Februar 2010 haben wir zum ersten Mal in der Firmengeschichte den Punkt erreicht, wo es nur noch A-Mitarbeiter gibt.
Auf eine Spreizung muss man trotzdem nicht verzichten. Man kann z. B. im Sinne von Jim Collins die A-Mitarbeiter spreizen von A1 nach A5. In meinem Buch „Die besten Mitarbeiter finden und halten” sind auf S. 42/43 die einzelnen Stufen einer solchen Spreizung beschrieben. Bradford Smart spricht nur von A, A1 und A2. A heißt ganz einfach A-Mitarbeiter, während A1 heißt: Dieser Mitarbeiter kann noch eine Ebene befördert werden. Ein A2-Mitarbeiter kann entsprechend zwei Ebenen befördert werden.